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Von Problemen zu Möglichkeiten: Bessere mentale Gesundheit durch Lösungsorientierung





Bist du jemand, der sich eher auf Probleme konzentriert, oder bist du eher lösungsorientiert? Menschen, die problemorientiert sind, wollen häufig viel Zeit damit verbringen, ein Problem zu analysieren und zu diagnostizieren, das sie gerade beschäftigt. Andere sind eher lösungsorientiert und freuen sich darauf, kreative Ideen zu entwickeln und neue Möglichkeiten zu erkunden.

Aber was genau sind Problem- und Lösungsorientierung und warum sind sie wichtig?



Problem vs. Lösung


Problemorientierung ist eine Sichtweise auf eine Situation oder ein Problem, die sich auf das Problem selbst konzentriert. Diese Herangehensweise kann nützlich sein, um die Ursachen eines Problems zu erkennen, aber sie kann auch dazu führen, dass wir uns auf Schuldzuweisungen, Fehlersuche und negatives Denken konzentrieren. Wenn wir problemorientiert sind, neigen wir dazu, Fragen wie "Was ist schief gelaufen?" oder "Wer ist dafür verantwortlich?" zu stellen. Das kann bis zu einem gewissen Grad hilfreich sein, denn manchmal müssen wir ein Problem verstehen, bevor wir eine Lösung finden können. Aber es kann auch zu einer Art Falle werden, wenn wir uns so sehr auf das Problem konzentrieren, dass wir die Tatsache aus den Augen verlieren, dass wir nach einer Lösung suchen. Wir können uns im Problemdenken verzetteln und vergessen, wo wir eigentlich hinwollten.


Lösungsorientierung hingegen ist eine Art, eine Situation oder ein Problem zu betrachten, die sich auf die Identifizierung und Entwicklung von Lösungen konzentriert. Dieser Ansatz kann nützlich sein, um neue Ideen und Möglichkeiten zu entwickeln, aber er kann die Ursachen des Problems übersehen. Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass wir ein Problem viel länger mit uns herumtragen, als es eigentlich nötig wäre. Wenn wir lösungsorientiert sind, neigen wir dazu, Fragen zu stellen wie "Was könnten wir anders machen?" oder "Welche Möglichkeiten haben wir?" Das kann bis zu einem gewissen Grad hilfreich sein, aber es kann auch zu einer Art Optimismusvoreingenommenheit führen, bei der wir glauben, dass jedes Problem gelöst werden kann, wenn wir uns nur genug Mühe geben.



Warum beides wichtig ist


Sowohl die Problem- als auch die Lösungsorientierung haben ihren Platz in jeder Gemeinschaft, denn sie sind die angemessene Antwort auf unterschiedliche Arten von Herausforderungen. Aus evolutionärer Sicht macht das sehr viel Sinn, denn diese Vielfalt erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Problem innerhalb einer Gruppe gelöst wird.





In diesem Zusammenhang kann die Problemorientierung als eine Möglichkeit gesehen werden, Probleme innerhalb einer Gemeinschaft zu erkennen und zu diagnostizieren. Wenn Menschen problemorientiert sind, erkennen sie eher potenzielle Bedrohungen oder Gefahren, die angegangen werden müssen. Das kann besonders in Situationen nützlich sein, in denen es unmittelbare oder dringende Probleme gibt, die dringend gelöst werden müssen. Bei einer Naturkatastrophe zum Beispiel ist eine Gemeinschaft mit vielen problemorientierten Menschen besser in der Lage, schnell auf die Bedürfnisse der Betroffenen zu reagieren, weil sie diese eher erkennen können.

Es gibt einen interessanten Zusammenhang zwischen Problemorientierung und dem natürlichen Temperament eines Menschen. Menschen, die problemorientiert sind, neigen eher zu Neurotizismus und negativen Emotionen im Allgemeinen. Das macht Sinn, denn ein hohes Maß an negativen Emotionen kommt daher, dass man für die negativen oder problematischen Aspekte des eigenen Lebens (und der Menschen, die einem nahe stehen) stärker empfänglich ist. Und diese erhöhte selektive Sensibilität ermöglicht es diesen Menschen, potenzielle Gefahren leichter zu erkennen. Aber das hat natürlich auch seine Schattenseiten, denn ihnen erscheint die Welt oft düsterer und bedrohlicher, eben weil ihr Fokus so sehr auf Problemen statt Lösungen liegt.



Wenn Menschen lösungsorientiert sind, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie kreative und innovative Lösungen für Herausforderungen finden. Dies kann besonders nützlich sein, wenn es komplexe oder andauernde Probleme gibt, die nachhaltige Bemühungen erfordern, um sie zu lösen. Wenn eine Gemeinde zum Beispiel mit Armut zu kämpfen hat, ist eine Gruppe lösungsorientierter Menschen vielleicht besser in der Lage, langfristige Lösungen für ein Problem zu entwickeln und umzusetzen. Lösungsorientierung ist auch besser geeignet, Lösungen zu finden, während das Problem weiter besteht. Das heißt, man ist eher gewillt einen "work-in-progress"-Ansatz zu verfolgen und zu versuchen, das Problem so weit wie nötig zu lösen, um die Dinge am Laufen zu halten, während man gleichzeitig über eine dauerhafte Lösung für die Zukunft nachdenkt. Menschen, die lösungsorientiert sind, neigen auch eher dazu, optimistisch zu sein. Wie bereits erwähnt, glauben Menschen, die lösungsorientiert sind, oft an die Existenz einer Lösung - manchmal unabhängig davon, ob sie Beweise haben, die diesen Glauben stützen. Und das ist nur eine andere Art zu sagen, dass sie optimistisch sind.



Durch den Blickwinkel Jungscher Archetypen


Vielleicht hilft die folgende Geschichte dabei, den Unterschied noch etwas greifbarer zu machen. In seinem Buch "Tribe – On Homecoming and Belonging" erzählt Sebastian Junger die Geschichte des Springhill-Bergwerksunglücks, das sich 1958 in Nova Scotia ereignete. 174 Bergleute arbeiteten unter Tage, als ein Erdbeben den Einsturz einer Kohlemine verursachte und eine Gruppe von Männern darin eingeschlossen wurde. Nach mehreren Tagen gelang es den Rettungskräften, die eingeschlossenen Bergleute zu finden und eine schwierige und gefährliche Rettungsaktion zu beginnen.


Junger beschreibt, dass die Bergleute während der Tage, an denen sie eingeschlossen waren, eine zwei verschiedene Arten von Führungsstilen an den Tag legten, die man als „Typ-König“ und „Typ-Königin“ beschreiben kann. Diese beiden Kategorien gehören zu den „Herrscherarchetypen“ bei Carl Gustav Jung. Sie sind nicht auf bestimmte Geschlechter beschränkt (wie die Begriffe "König" und "Königin" vielleicht vermuten lassen), sondern stellen vielmehr universelle Verhaltensmuster und symbolische Bilder dar, die sich bei Personen jeden Geschlechts manifestieren können. Laut Sebastian Junger übernahmen die Typ-König Anführer zunächst das Kommando und versuchten, einen Plan zur Befreiung der eingeschlossenen Bergleute zu entwerfen. Als jedoch die Zeit verging und die Bergleute merkten, dass sie aus eigener Kraft nicht entkommen konnten, zogen sich die „Könige“ zurück und die „Königinnen“ traten als die effektiveren Anführer auf. Die Typ-Königin Anführer konzentrierten sich darauf, ein unterstützendes Umfeld für die eingeschlossenen Bergleute zu schaffen, sie emotional zu unterstützen und sich um ihre körperlichen Bedürfnisse zu kümmern. Sie übernahmen auch die Aufgabe, mit der Außenwelt zu kommunizieren, die Bemühungen zur Rettung der Bergleute zu koordinieren und die Moral der Eingeschlossenen aufrechtzuerhalten. Junger argumentiert, dass diese Veränderung des Führungsstils entscheidend für das Überleben der Bergleute war und verweist darauf, wie wichtig ein breites Spektrum an Führungsstilen in Stresssituationen ist.


In dieser Situation wird der Typ-König Führungsstil mit Lösungsorientierung in Verbindung gebracht. Diese Anführer haben eine geschärfte Wahrnehmung für Lösungen und handeln daher auch schneller. Sie sehen mögliche Wege, um das Problem zu lösen, und können so alle um sie herum mobilisieren und sie dazu bringen, gemeinsam zu handeln. Aber in dieser Situation war das vergeblich, denn nichts, was sie innerhalb des Bergwerks tun konnten, konnte ihnen helfen von selbst zu entkommen.





Der Typ-Königin Führungsstil wird hier mit Problemorientierung in Verbindung gebracht. Nachdem alle erkannt hatten, dass sie nicht mehr herauskommen würden, war eine andere Art von Führung gefragt - Eine, die das Problem anerkannte und Wege fand, damit umzugehen, ohne es lösen zu können. Für diese Art von Führung muss man für alle Aspekte des Problems sensibilisiert sein und wissen, wie diese (wenn unbehandelt) zu weiteren Problemen führen können. Wenn Entkommen keine Option ist, muss man herausfinden, wie man alle so lange wie möglich am Leben erhält. Das erfordert die Bereitschaft, sich wirklich mit dem Problem auseinanderzusetzen und zu versuchen, es zu verstehen, um herauszufinden, wie man damit umgehen kann, ohne es zu lösen.





Diese Geschichte ist ein Beispiel dafür, dass Problemorientierung manchmal genau der richtige Ansatz ist. Und es gibt Vor- und Nachteile bei beiden Herangehensweisen. In diesem Artikel geht es aber speziell um den Wechseln von Problemorientierung zu Lösungsorientierung. Der Grund dafür, ist, dass Problemorientierung ein größeres Gefahrenpotenzial für die mentale Gesundheit des Individuums bietet, als Lösungsorientierung. Menschen mit einem starken Fokus auf die Probleme, die sie umgeben, laufen eher Gefahr sich in Ängsten und negativen Gefühlen bis hin zur Depression zu verfangen. Und oft ist es schwierig von alleine wieder aus diesen Verstrickungen herauszukommen.



Wenn du jemand bist, der mehr auf Probleme fokussiert ist, als auf Lösungen und dich manchmal in deinen eigenen Gedanken und Gefühlen gefangen fühlst, soll dir dieser Artikel ein Wegweiser dabei sein, eine ausgeglichenere Perspektive für dich zu finden.




Lösungsorientierter werden


Wir können Menschen dabei helfen, von einer problemorientierten zu einer lösungsorientierten Haltung überzugehen, indem wir neue Perspektiven erkunden, Probleme anders formulieren und uns auf Stärken und Ressourcen konzentrieren, anstatt auf Schwächen und Einschränkungen. Das bedeutet, Fragen zu stellen wie "Was wollen wir erreichen?" oder "Welche Ressourcen haben wir bereits, die wir nutzen können?"



Hier sind einige Tipps, wie du deine Denkweise von der Problemorientierung zur Lösungsorientierung ändern kannst:


1. Umformulierung des Problems: Einer der ersten Schritte, um von der Problem- zur Lösungsorientierung überzugehen, besteht darin, das Problem auf eine positive Weise umzuformulieren. Anstatt dich darauf zu konzentrieren, was schief gelaufen ist, solltest du das Problem als Chance sehen, zu lernen und zu wachsen. Frage dich: "Was kann ich anders machen, um ein besseres Ergebnis zu erzielen?" oder "Welche positiven Auswirkungen kann diese Situation haben?"


2. Werde aktiv: Ein Verhaltensmuster, das oft mit Problemorientierung einher geht, ist eine Form von Trägheit. Wenn Menschen sich in einem Problem verzetteln, kommt es oft zu dem, was man als "Lähmung durch Analyse" bezeichnet. Die Überanalyse eines Problems kann dazu führen, dass wir es für größer halten, als es wirklich ist und uns dadurch gelähmt fühlen. Wir sehen nur einen riesigen Berg, aber keinen Weg hinauf. Die Wahrheit ist aber, dass man den Berg nur erklimmen kann, wenn man einen Schritt nach dem anderen macht. Deshalb ist es so wichtig, aktiv zu werden – Es hilft dabei das Affenhirn auszuschalten und sich selbst klarzumachen, dass alles gar nicht so schlimm ist, wenn man einfach klein anfängt und sich bis zum Ende durcharbeitet.


3. Übe positive Selbstgespräche: Die Art und Weise, wie wir mit uns selbst reden, hat einen großen Einfluss auf unsere Einstellung. Versuche, negative Gedanken in positive Gedanken umzuwandeln. Anstatt zu sagen: "Ich kann das nicht", solltest du dir zum Beispiel sagen: "Ich kann das schaffen, wenn ich einen anderen Ansatz wähle." Durch positive Selbstgespräche kannst du deine Einstellung ändern und dich auf Möglichkeiten und Lösungen konzentrieren.


4. Stelle lösungsfokussierte Fragen: Anstatt dich mit dem Problem zu beschäftigen, solltest du dir lösungsorientierte Fragen stellen. Zum Beispiel: "Welche Ressourcen habe ich bereits, die ich nutzen kann, um dieses Problem zu lösen?" oder "Welchen kleinen Schritt kann ich heute tun, um eine Lösung zu finden?" Wenn du dir solche Fragen stellst, kannst du deine Energie darauf konzentrieren, Lösungen zu finden, anstatt dich mit dem Problem zu beschäftigen.


5. Verwende Visualisierungstechniken: Visualisierung ist ein mächtiges Werkzeug, um deine Einstellung zu ändern. Versuche dir vorzustellen, wie du das Problem erfolgreich meisterst und ein positives Ergebnis erzielst. Damit signalisierst du deinem Unterbewusstsein, dass dies eine reale Möglichkeit ist. Du machst diese Möglichkeit greifbar, indem du sie vor deinem inneren Auge sichtbar machst.


6. Übe dich in Dankbarkeit: Dies ist auf interessante Weise mit der Visualisierung verbunden. Indem wir Dankbarkeit üben, lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf die guten Dinge in unserem Leben - die Dinge, für die wir wirklich dankbar sind. Die Praxis der Dankbarkeit verlangt von uns, dass wir die Dinge, für die wir dankbar sind, in den Vordergrund unseres Bewusstseins rücken. Das ist eine Form der Visualisierung. Dankbarkeit zu praktizieren gehört zu den Dingen, die sich nachweislich positiv auf das Glück und sogar die Zufriedenheit in Beziehungen auswirken. Und es macht einen sensibler für lösungsorientiertes Denken.


7. Suche dir Unterstützung: Menschen sind nicht dafür gemacht, ihr ganzes Gepäck an Sorgen allein zu tragen. Wir sind soziale Tiere und manchmal brauchen wir die Hilfe der Gemeinschaft, um eine wichtige Veränderung in unserem Leben zu herbeizuführen. Zieh in Erwägung, dir Unterstützung von einem Coach oder Mentor zu holen, der dir helfen kann, deine Stärken und Ressourcen zu erkennen und einen lösungsorientierten Ansatz zur Problemlösung zu entwickeln. Oder setz dich hin und frag dich, welche Menschen aus deinem Freundeskreis oder deiner Familie dir auf deinem Weg helfen könnten - vielleicht wird es sogar ein gemeinsames Projekt.




Wie so oft ist dies einer der Bereiche, in denen Beharrlichkeit der Schlüssel ist. Deine Einstellung so grundlegend zu ändern, ist keine leichte Aufgabe. Mach dir keine Sorgen, wenn am Anfang nichts zu funktionieren scheint. Das ist ein Prozess, der viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Sei geduldig mit dir selbst. Nimm alle Hilfe an, die du bekommen kannst, und denk daran: Du tust das für dich und dein eigenes Wohlbefinden. Und das ist etwas, in das es sich lohnt zu investieren.



Vielen Dank fürs Lesen. Ich hoffe, du hattest Spaß und konntest etwas Nützliches aus diesem Artikel mitnehmen. Ich wünsche dir einen schönen Tag und wir sehen uns in der nächsten Ausgabe.



Ein kleiner Witz, den ich im Internet gefunden habe:


Warum hat das problemorientierte Huhn die Straße überquert?

Um mit all seinen Problemen auf die andere Seite zu gelangen!

Und warum hat das lösungsorientierte Huhn die Straße überquert?

Um einen besseren Weg zu finden, ohne Probleme auf die andere Seite zu kommen!

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